depart - Projektion an den Abenden vom 01. - 03. März 2007, Georgentor, Dresden

Das vom 1.-17. März 2007 durchgeführte, übergreifende Kulturprojekt des Musikers Thomas Friedländer DRESDNER TOTENTANZ 2007 widmete sich einem der großen Totentänze des 16. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein 12 m langes Sandsteinrelief mit 27 Figuren, entstanden 1534 für das Georgentor des Residenzschlosses und heute an der Orgelempore in der Dreikönigskirche angebracht. Kaiser Karl V. ist als Totentänzer darauf zu sehen, der sächsische Herzog Georg als Auftraggeber des Reliefs, eine Äbtissin oder ein Kind mit dem Tod. Ein langer Reigen zieht sich vor dem Betrachter entlang, geschaffen vom Bildhauer Christoph Walther I. aus Breslau.

Lumopol wurde in diesem Zusammenhang gebeten, die Thematik im öffentlichen Stadtraum wahrnehmbar künstlerisch zu erweitern. Beim vorgeschlagenen Projektbeitrag mit dem Titel depart wurden animierte Texte und Textfragmente weithin sichtbar auf die Fassade des Georgentors projiziert, an der von 1534 bis ca. 1700 das Sandstein-Relief mit der Totentanz-Darstellung angebracht war. Verwendung fanden Gedichte und Gedichtfragmente von Allen Ginsberg und Ingeborg Bachmann.

Das Erscheinungsbild der Projektion erinnerte an das Display einer Abfahrtszeiten-Anzeigetafel, wie sie sich heute in mechanischer Form auf Bahnhöfen und Flughäfen befindet. In wechselnder Sinn- und Bildhaftigkeit wurden Leben und Tod als große Reise, Aufbruch und Rückkehr thematisiert. Das buchstäbliche Zerfallen und Entstehen des projizierten Textes zwischen Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit visualisiert die permanente Deformation aller Information - des Bedeutungsgehalts der eigenen Existenz - deren Fragmentarisierung, Trans- und Neuformation. Ankommen und Abfahren stehen hier als Metaphern für den steten Fluss aus Werden und Vergehen.

Lumopol hat sich bereits in verschiedenen Projekten mit einer Erweiterung der Wahrnehmungsmöglichkeiten künstlerischer Ausdrucksformen in Verbindung mit dem spezifischen Ort der Präsentation und dessen Geschichte auseinandergesetzt. In ähnlicher Weise wurde beim DRESDNER TOTENTANZ 2007 die Absicht verfolgt, ein zeitgemäßes memento mori im Stadtraum zu erzeugen.

Das Projekt wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:


Flash-Animation
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